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Ablaufprozesse bei Versicherungen im Fokus

Mit der Umsetzung der IDD die Versicherungswirtschaft bei Geschäftsorganisation und Ablaufprozessen stärker in die Pflicht genommen.

24.08.2017 Mit dem Beschluss von Bundestag und Bundesrat zur Umsetzung der IDD wird die Versicherungswirtschaft bei Geschäftsorganisation und Ablaufprozessen stärker in die Pflicht genommen.

Im Fokus des Gesetzgebers stehen Grundregeln, auch Kardinalpflichten genannt, mit ihrem Schwerpunkt auf Abläufen und Prozessen, also der Geschäftsorganisation der Versicherungsvertreiber. Diese müssen sicherstellen, dass sie die Kardinalpflichten beachten und dass dies Mitarbeitern, Kunden und der Aufsicht klar wird. Im Haftungsfall gegenüber dem Kunden und im Aufgriffsfall gegenüber der Aufsicht muss der Versicherungsvertreiber nachweisen, dass er die Kardinalpflicht beachtet hat.

 

Jede Geschäftsorganisation, ebenso wie jede Einzelmaßnahme im Vertrieb, wird zukünftig daran gemessen werden, ob sie den Maximen der neuen Gesetzeslage entspricht:

 

Da ist zunächst die „Wohlverhaltensregel“, wonach jeder Versicherungsvertreiber sich seinen Kunden gegenüber „redlich, ehrlich und professionell“ verhalten sowie „in deren bestmöglichen Interesse“ handeln muss. Zwar sind auch heute schon die Akteure im Versicherungsvertrieb aufgerufen, sich „Treu und Glauben“ entsprechend zu verhalten. Die Aufmerksamkeit der Kunden wird aber größer werden, nachdem diese „Kardinalpflicht“ in den Versicherungsgesetzen selbst verankert ist – das Haftungspotential steigt. Die Einhaltung der Prinzipien wird zudem von der jeweiligen staatlichen Aufsicht überwacht.

 

Da ist weiter der Verbraucherschutz: So muss jeder Versicherungsvertrag, über den beraten, oder der vermittelt, oder/und bei dessen Erfüllung unterstützt wurde, den „Wünschen und Bedürfnissen des Kunden“ entsprechen. Dies gilt auch dann, wenn ausnahmsweise eine Beratung einmal entfallen sollte, z.B. wenn ein Ausnahmetatbestand vorliegt – obwohl dies nach einer selbstverständlichen, einfachen Pflicht klingt, kann ihre Erfüllung kaum durch Einzelfall-Überprüfung sichergestellt werden. Es bedarf eines Geschäftsprozesses, der sicherstellt, dass bei der Ausstellung eines jeden Versicherungsvertrags die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden berücksichtigt werden.

 

Und da ist schließlich die Transparenz in der Vergütung: Die Richtlinie verlangt, dass der Versicherungsvertreiber dem Kunden mitteilt, ob er durch eine Provision als Teil der Versicherungsprämie oder über ein vom Kunden zu zahlendes Honorar oder über eine andere Art der Vergütung bezahlt wird. Zur Höhe der Vergütung muss sich der Versicherungsvertreiber nur äußern, wenn er ein Versicherungsanlageprodukt anbietet. Diese Anforderungen werden in der zu erwartenden Neufassung der VersVermV berücksichtigt werden.

 

Dr. Maximilian Teichler

 

 

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