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IDD – Wer ist betroffen?

Viele Akteure am Markt haben den Eindruck, sie seien von der IDD nicht betroffen. Leider ist das ein weit verbreiteter Irrtum. Die neue Regulierung des Versicherungsvertriebs holt weit aus und betrifft viel mehr als „nur“ die im Vermittlerregister eingetragenen Personen. Wer muss sich also noch mit der IDD näher auseinandersetzen?
IDD – Wer ist betroffen?

05.02.2017 Versicherungsvermittler benötigen schon seit längerer Zeit eine Zulassung nach §34 d GewO. Nun blieb die Frage immer offen, wie weit denn Versicherungsvermittlung eigentlich geht? Dort findet sich nun im Referentenentwurf eine Klarstellung. Neben der eigentlichen Vermittlung im bisherigen Sinne wurde „das Mitwirken bei der Verwaltung und Erfüllung von Versicherungsverträgen" mit integriert (inkl. Schadensabwicklung - §34 d, Abs. 1 GewO-e). Damit fallen nun auch Back-office-Mitarbeiter/-innen ebenfalls unter den Begriff des Versicherungsvermittlers. Auch das pure Bereitstellen von Informationen oder Ranglisten führt dann zur Zulassungspflicht, wenn gleichzeitig der Abschluss von Versicherungsverträgen in diesem Zusammenhang möglich ist, wurde in den Katalog aufgenommen.

Nun lautet Ihre Frage vielleicht: Muss ich denn dann angestellte Mitarbeiter aus Vertrieb und Verwaltung ebenfalls für die Aufnahme der Tätigkeit qualifizieren? Benötigen diese also auch einen Abschluss als Versicherungsfachmann/-fachfrau? Hier gilt, dass es keine Verschärfung der gesetzlichen Lage gab, so dass diese Mitarbeiter nur in Bezug auf ihre konkrete Tätigkeit qualifiziert werden müssen. Allerdings gilt für die Mitarbeiter die Weiterbildungspflicht in vollem Umfang. Jeder muss sich mindestens 15 Zeitstunden im Jahr qualifizieren (s. § 34d, Abs. 8-e). Hier greift dann auch nicht mehr das Ausschließlichkeitsprivileg, so dass auch Mitarbeiter von Agenturen in den Genuss der permanenten Weiterbildung kommen müssen.

Wer kommt neu hinzu?

Die Hürden für Vermittler in Nebentätigkeit sind so hoch, dass diese Spezies wohl eher eine Randerscheinung sein dürfte. Interessant sind allerdings noch die folgenden drei Personengruppen: Angestellte der Kreditinstitute, Angestellte der Versicherungsunternehmen und die Verbraucherschützer. Wenn man die IDD richtig interpretiert, müssten durchaus auch diese Personengruppen einer laufenden Qualifizierungspflicht nachkommen. Für die Angestellten der Kreditinstitute wurde das auch letztlich über den §34 d GewO-e mit umgesetzt. Hier gilt sogar, dass nicht nur das Kreditinstitut selbst, sondern künftig auch das „leitende Personal" der Zulassungsstelle zu melden ist (§ 34 d Abs. 9 GewO-e). Da sämtliche Mitarbeiter im Bereich „Versicherungsvermittlung" permanent fortzubilden sind, kommen also auch Bankangestellte an der Fortbildungspflicht nicht vorbei.

Verbraucherschützer scheinen hingegen wieder außen vor zu bleiben, so dass diese zwar vermeintlich schlechte Beratungen weiter kritisieren können, sich aber selber keinerlei Qualitätsstandards seitens des Gesetzgebers stellen müssen.

Wäre noch die Frage offen, wie es sich mit den festangestellten Mitarbeitern der Versicherungsunternehmen verhält. Die Definition des Begriffes „Versicherungsvertrieb" ist auch hier ähnlich weit gefasst. Ebenso gibt es nach § 48, Abs. 2 VAG-e eine Pflicht zur Ausbildung und „regelmäßigen Fortbildung". Dabei sollen „Inhalt, Umfang und Dokumentation" der Qualifizierungen den gleichen Standard haben, der auch für die gewerblichen Vermittler vorgesehen wird.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass sämtliche irgendwie an der Vermittlung beteiligten Personengruppen gleichermaßen erfasst sind und dass damit permanente Weiterbildung für alle zur obligatorischen Pflicht wird. Ausgenommen der Verbraucherschutz.

Dr. Wolfgang Kuckertz

 

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